Wie kann Technologie helfen bessere Geschäftsergebnisse zu erzielen? Das war das Motto der diesjährigen Impact Konferenz der IBM in Las Vegas mit ca. 8500 internationalen Teilnehmern. Neben den obligatorischen technischen Vorträgen mit Fokus auf den neuesten IBM Techniken, einschließlich WebSphere Infrastructure, Application Server, Connectivity, BPM, SOA, Cloud, Mobile, etc., wurde parallel ein Business-Konferenzprogramm angeboten. Diese von Forbes gesponserten Vortragsreihen thematisierten Erfahrungswerte aus der Praxis. Der Fokus der Praxisberichte lag darauf, wie bestehende Geschäftsprozesse durch Innovationen verbessert wurden.

SOA ist weiterhin die Basis der WebSphere Brand

Aus technischer Sicht waren wesentliche Elemente der RESTful-SOA orientierten IBM Produktstrategie zum einen die neue Version des WebSphere Application Server. Dieser wurde vor allem auf die Entwicklung mobiler Anwendungen, Cloud-IT und die Integration mit Inhouse- und Web-Anwendungen abgestimmt. Zum anderen wurde die Optimierung des gesamten WebSphere-Portfolios auf offene Programmierschnittstellen (APIs), Unterstützung für mobile Endgeräte und Apps sowie Cloud-Diensten thematisiert. Doch nun der Versuch einer inhaltlichen Zusammenfassung – in aller Kürze:

Dynamische Geschäftsanforderungen – IBM PureSystems

Fangen wir mit dem, für eine Impact, eher untypischen „Hardware-Thema“ an. Denn ein Schwerpunkt der Impact-Konferenz waren die neuen sogenannten „Expert Integrated Systems“. Unter dem Markennamen IBM PureSystems kombinieren diese die Flexibilität eines universellen Hardware-Systems mit der Elastizität von Cloud-Computing und der Einfachheit von anwendungsspezifischen Rechenlasten (Workloads). Diese Systeme sollen somit eine neue Wirtschaftlichkeit der IT-Nutzung schaffen: durch integriertes Wissen, im Design angelegte Integration und mehr Komfort für den Nutzer. Somit stand die dies ermöglichende Middleware auf der Impact klar im Vordergrund. Etwas verkürzt gesagt bieten die IBM PureSystems eine „Private Cloud in a Box“-Lösung an. Andere Hersteller wie Oracle und Cisco haben solche Systeme ebenfalls auf den Markt gebracht. Indem der Fokus auf die Anwendungsseite ergänzt wurde, konnte IBM die reine infrastrukturelle Sicht der Wettbewerber nun sinnvollerweise erweitern. Hier spiegelt sich auch die jahrzehntelange Erfahrung der IBM mit den AS400 Mittelstandssystemen wieder. In diesen wurde der Ansatz der Integration von Unternehmensanwendungen und Infrastruktur schon vor 20 Jahren verfolgt. So gesehen steht mit den IBM PureSystems nun eine Evolution dieses erfolgreichen Systems in den Startlöchern. Anstatt auf proprietären Komponenten zu basieren, ist dieses System nun konform zu gängigen Industriestandards realisiert. Diverse WebSphere-Lösungen, wie der IBM Workload Deployer, bilden, neben Komponenten anderer Softwarebereiche der IBM, die Basis für die Automatisierung der Middleware innerhalb der IBM PureSystems. In diesen Middleware-Komponenten liegt das „Integrierte Wissen“ – die vormalige Arbeit von Experten wird erfasst und automatisiert – von der Infrastruktur bis zur Anwendung. Dies vereinfacht die Implementierung und das Management der IT-Systeme. Durch die im Design der IBM PureSystems angelegte Integration, werden Hardware und Software in einem sofort einsatzfähigen, Workload-optimierten System umfassend integriert und optimiert geliefert. Somit bietet dies dem Nutzerunternehmen mehr Komfort und reduziert dessen im täglichen Einsatz zu leistende Arbeit. Alle Bestandteile des IT-Lebenszyklus werden durch integriertes Management des gesamten Systems und ein umfassendes offenes Umfeld aus optimierten Lösungen vereinfacht.
IBM PureSystems kann damit eine Basis oder wichtige Ergänzung der jeweiligen Cloud-Strategie der Kunden darstellen. Es wird eine sofort einsatzfähige private Cloud-Umgebung angeboten, die angeblich häufig in nur vier Stunden zu konfigurieren sei. Danach stehen direkt die Infrastructure-as-a-Service- und Platform-as-a-Service-Funktionen zu Verfügung. Die Kombination aus dieser Private-Cloud und anderen Clouds (wie z.B. branchen-spezifischen Community-Clouds) bietet die Möglichkeit eine flexible und sichere Hybrid-Cloud-Strategie zu verfolgen. Dieser hybride Lösungsansatz kann dann gegebenenfalls um Public-Clouds (wie z.B. von Amazon oder Google) ergänzt werden.

Mobility und Innovation

Diverse Unternehmen berichteten auf der Konferenz wie sie neuen Herausforderungen des Marktes durch angepasste, modernisierte und teilautomatisierte Geschäftsprozesse begegnen. Steve Mills, Senior Vize Präsident und Group Executive von IBM Software and Systems, betonte die technischen Erfordernisse, die durch diese erweiterte Nachfrage von Kunden an den Service von Unternehmen entstehen. Diesen kann durch innovative Plattformen und technologische Möglichkeiten im Bereich des Mobile-, Social- und Cloud-Computing begegnet werden. Seit zum Beispiel Geschäftstransaktionen auf mobile Endgeräte erweitert wurden, müssen Unternehmen die Integrität solcher Transaktionen im End-to-End-Szenario aufrechterhalten. „Transaction Integrity“ ist sicher etwas, was wir über die MQ- und WAS-Familie seit langem bieten können. Die stetige und kontinuierliche Weiterentwicklung seit den Zeiten von MQ Series und den ersten Application-Server-Versionen stellen die notwendigen Techniken bereit, die für die heutigen Anforderungen erforderlich sind. Diese kontinuierliche Entwicklung innerhalb der WebSphere-Produktfamilie ist aus Sicht eines IBM Geschäftspartners der richtige Weg. Wir können damit für unsere Kunden nachhaltige und kostengünstige Lösungen realisieren und betreiben. Dies ist somit aus unserer Sicht besser, als reine reißerische Ankündigungen auf der jährlichen Konferenz.
Jerry Cuomo, IBM Fellow, Vice President und WebSphere CTO, machte über den Ansatz eines “Engaging Enterprise” deutlich, wie über Mobile-, Cloud- und Analytics-Technologien Unternehmen innovativ den Kundenanforderungen begegnen können. Im Wesentlichen wird dies aus der Sicht von Cuomo durch die Erweiterung der Unternehmenswahrnehmung mittels Externalisierung und Synchronisation der Unternehmensschnittstellen, sowie sicheren und elastischen Transaktionsmöglichkeiten geschehen. Phil Gilbert, Vice President von IBM Business Process and Decision Management, demonstrierte hierzu die neuen mobilen und kollaborativen Möglichkeiten im aktualisierten IBM Business Process Manager und den IBM Decision Management Lösungen. Hier zeigte sich das IBM aus den Versäumnissen der Vergangenheit gelernt hat. Durch die Nutzung von Erfahrungswerten anderer IBM Softwarelösungen (aus den Rational- und Tivoli-Familien), wurde nicht nur eine sehr leistungsfähige, sondern auch eine sehr benutzerfreundliche BPM-Umgebung geschaffen. Bob Sutor, Vice President von WebSphere Foundation / IBM Mobile, stellte die IBM Mobile-Strategie vor, welche die notwenige Prozesstransformation der Unternehmen unterstützen kann. Hier ist natürlich die Akquise von IBM Worklight als Teil der IBM Mobile Foundation zu nennen. Bestandteile sind das Mobile Development (Web, Native, Hybrid), das Mobile Device Management und auch der Tivoli Endpoint Manager for Mobile Solutions. Ob Worklight wirklich bereits die Versprechungen erfüllt, können wir noch nicht beurteilen. Die Strategie erscheint uns sehr zielführend wie auch die folgend beschriebene WebAPI Entwicklung zeigt.

Mobility und Interoperabilität

Mit der vorgestellten API-Management-Lösung ‚webapi.castiron.com‘ werden Unternehmen und Softwarelösungsanbieter in die Lage versetzt, eine offene Schnittstelle für Kunden und Partner zur Verfügung zu stellen. Als Basis dient die IBM Cloud-Integrationslösung (WebSphere Cast Iron Live) für die einerseits ein erweitertes Web-UI und andererseits eine Mobile-/App-Entwicklerplattform entwickelt wurde. Hiermit lassen sich interne Anwendungen für externe Partner und Drittanbietern schnell, sicher und kontrolliert öffnen. Somit kann z.B. ein Smartphone-Entwickler nun die Dienste des Unternehmens einfach in seine App einbauen. Diese können beispielsweise im Handelsumfeld Produktinformationen für Web-Kataloge, Verfügbarkeitsanfragen von Produkten oder die Auftragsverfolgung den externen Entwicklern bereitstellen. Die Basis hierfür sind die bereits intern bestehenden Funktionen, welche über die API-Management Lösung externalisiert werden. Zudem kann das Unternehmen nun diese Nutzungskanäle verfolgen und für weitere Absatz- und Marketingaktionen verwenden. Beispiele hierfür sind im Handelsumfeld spezielle Produktbundle- oder Preisaktionen für einzelne mobile Kundensegmente. Neben der einfachen Verwaltung dieser API-Kanäle hat das Unternehmen natürlich weiterhin die volle Kontrolle darüber, wer welche Dienste verwendet und welche Dienste überhaupt für diese Kanäle sinnvoller Weise angeboten werden. Auch wenn manche Funktionalitäten in webapi.castiron.com erst in rudimentärer Form vorliegen, ist dieses API-Management bereits jetzt eine sehr interessante Lösung für Unternehmen, die den Bedarf der mobilen Öffnung haben. Weiterhin können ISVs ihre Lösungen hierüber wesentlich interoperabler gestalten und sich dadurch neue Kundensegmente erschließen.

Gute Neuigkeiten zu WebSphere MQ und Message Broker

Neben den vielen Produktneuerungen stach im WebSphere Connectivity Umfeld die Konsolidierung der MQ-Familie besonders hervor.
Mit WebSphere MQ V7.5 wird die MQ-Familie als ein einheitliches Produkt verfügbar, d.h. in einer Instanz installierbar. Dies bedeutet, dass die bisher existierenden Module für Filetransfer (WMQ FTE), Telemetrie (MQ TT) und erweiterte Sicherheitstechniken (WMQ AMS) in die MQ Basis integriert wurden. Die Vorteile für die MQ Nutzer liegen auf der Hand: einerseits sind keine separaten Installationen mit verschiedenen MQ-Produkten mehr nötig und andererseits sind alle Fähigkeiten der gesamten MQ-Familie (wie erweiterte Sicherheitsoptionen, Managed Filetransfer und Telemetrie Support) unternehmensweit über die bestehende MQ-Infrastruktur nutzenbar. Positive Entwicklungen sind zudem einzelne Lizenzkostenreduzierungen bis hin zu vollständig kostenfrei zur Verfügung stehende Softwarekomponenten. Beispielsweise ist der WebSphere MQ Extended Transactional Client nun kostenlos verwendbar. Weiterhin stehen mit dem neuen WebSphere Message Broker V8.0 ab der Standardvariante aufwärts nun auch die WebSphere-Adapter-Lizenzen kostenlos für die produktive Nutzung zur Verfügung. Ein Grund mehr für die V7-Nutzer eine Migration zu starten. Nutzen Sie hierzu unsere Erfahrungswerte und sprechen Sie uns gerne an.